Nur twee dagen havermout eten en wekenlang een lager cholesterol: hoe werkt dat?

Haferflocken werden oft als nahrhaftes Frühstück empfohlen. Neue Forschungsergebnisse der Universität Bonn zeigen jetzt, dass ihr Nutzen über den morgendlichen Energieschub hinausgeht. Schon nach zwei Tagen eines strikten Haferflocken-Plans traten messbare gesundheitliche Verbesserungen auf, die mehrere Wochen anhielten — konkret eine Senkung des Cholesterinspiegels. Die Studie macht deutlich, wie wichtig die Ernährung sein kann, ersetzt aber keine medizinische Behandlung.
Wie die Studie aufgebaut war und was genau gemacht wurde
Untersucht wurden Personen mit dem sogenannten metabolischen Syndrom — eine risikoreiche Kombination aus Übergewicht, hohem Blutdruck sowie gestörten Zucker- und Fettwerten im Blut, die das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht. Unter Leitung der Universität Bonn bekamen die Teilnehmenden eine zwei Tage lange Diät, die größtenteils aus Haferflocken bestand. Es gab drei Mahlzeiten pro Tag, die mit Wasser gekocht wurden und nur durch etwas Obst oder Gemüse ergänzt waren. Die strenge Diät reduzierte die Kalorienzufuhr auf ungefähr 50 % des üblichen Bedarfs — das entspricht etwa 300 g Haferflocken pro Tag.
Was die Studie gezeigt hat
Der Effekt trat schnell ein: Der LDL-Cholesterinspiegel (oft als das “schlechte” Cholesterin bezeichnet) sank im Schnitt um 10 %. Außerdem verloren die Teilnehmenden im Mittel 2 Kilogramm und der Blutdruck ging leicht zurück. Auffällig war, dass die verbesserten Cholesterinwerte sogar sechs Wochen nach der Intervention noch anhielten. Laut den Forschenden war der beobachtete Rückgang vergleichbar mit dem Effekt mancher Medikamente.
Es gab auch eine Kontrollgruppe, die ebenfalls kalorienreduziert aß, aber keine Haferflocken konsumierte. Diese Gruppe verbesserte sich zwar ebenfalls, jedoch deutlich weniger als die Haferflockengruppe — ein Hinweis darauf, dass Haferflocken eine spezifische Wirkung haben könnten.
Ein zweiter Studienarm prüfte eine mildere, längere Intervention: Sechs Wochen lang nahmen Teilnehmende täglich 80 g Haferflocken zu sich, ohne weitere diätetische Einschränkungen. Hier waren die Verbesserungen nur gering. Die Forschenden ziehen daraus den Schluss, dass eine kurze, intensive “Haferkur” wirkungsvoller ist als eine längere, schwächere Zufuhr.
Wie Hafer im Darm wirkt und was die Forschenden empfehlen
Die Forschenden sehen das Darmmikrobiom als Schlüsselmechanismus. Haferflocken scheinen die Zusammensetzung der Darmbakterien zugunsten nützlicher Arten zu verändern. Diese Bakterien bauen Haferfasern zu phenolischen Verbindungen wie Ferulasäure ab, die den Cholesterinmetabolismus positiv beeinflussen können. Außerdem wurde beobachtet, dass durch diesen bakteriellen Abbau die Aminosäure Histidin reduziert wird — ein Prozess, der sonst die Insulinresistenz fördern könnte (ein wichtiges Merkmal von Typ‑2‑Diabetes).
Praktisch heißt das: Eine regelmäßig wiederholte, kurze Haferkur könnte eine einfache Möglichkeit sein, den Cholesterinspiegel zu senken und das Diabetesrisiko zu verringern. Die Forschenden betonen aber, dass Haferflocken kein Wundermittel sind und dass weitere Studien nötig sind, etwa um zu prüfen, wie wiederholte Diätzyklen langfristig auf das Risiko wirken.
In der aktuellen Ernährungsdiskussion zeigt die Studie, wie stark gezielte Nahrungswahl sein kann. Die Ergebnisse laden dazu ein, die eigenen Essgewohnheiten genauer anzuschauen und die Wirkung natürlicher Lebensmittel auf die Gesundheit zu nutzen.