Gen Z könnte sich von Lebensläufen verabschieden, da viele Unternehmen nun auf kompetenzbasierte Einstellung setzen – und laut Studien damit mehr Erfolg haben

Vom klassischen Lebenslauf zu fertigkeitsbasierten Einstellungsverfahren
Vom klassischen Lebenslauf zu fertigkeitsbasierten Einstellungsverfahren

Der Wandel vom klassischen Lebenslauf hin zu fertigkeitsbasierten Einstellungsverfahren hat in den letzten Jahren richtig an Fahrt aufgenommen. Dieser Trend eröffnet Bewerbenden neue Möglichkeiten und verändert gleichzeitig grundlegend, wie Unternehmen ihre Auswahl gestalten. Für die Generation Z könnte das Zeitalter des traditionellen Lebenslaufs schon bald vorbei sein.

Der Boom bei fertigkeitsbasierten Verfahren

Die Praxis, Lebensläufe so zu gestalten, reicht zurück bis in die 1950er Jahre. Mittlerweile zeigt eine Studie im Bericht “The State of Skills-Based Hiring 2023” von TestGorilla, dass fast 75 % der Unternehmen weltweit fertigkeitsspezifische Bewertungen im Einstellungsprozess einsetzen. Das ist ein sprunghafter Anstieg von 56 % gegenüber dem Vorjahr.

Mit solchen Tests können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber prüfen, ob Kandidatinnen und Kandidaten die konkreten Aufgaben der Stelle wirklich meistern (anstatt nur auf Papierqualifikationen zu vertrauen). Der Bericht nennt beeindruckende Effekte:

  • Fehlbesetzungen sanken um 88 %
  • Die Zeit bis zur Besetzung einer Stelle verringerte sich um 82 %
  • Die Einstellungskosten fielen um 74 %

Fast 92 % der befragten Arbeitgeber halten fertigkeitsbasierte Einstellung für effektiver, um Talente zu finden, als es mit einem traditionellen Lebenslauf möglich wäre.

Neue Chancen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Neben den Vorteilen für Unternehmen sorgt die fertigkeitsbasierte Einstellung dafür, dass Bewerbende ein faireres Spielfeld bekommen. 75 % der befragten Beschäftigten aus schwarzen, asiatischen und arabischen Gemeinschaften gaben an, durch Fertigkeitsbewertungen Zugang zu neuen Arbeitsmöglichkeiten erhalten zu haben. Die Mehrheit glaubt, dass dieses Verfahren ihre Chancen erhöht, die gewünschten Jobs zu bekommen. Damit rücken tatsächliche Fähigkeiten stärker in den Vordergrund als klingende Namen oder Titel im Lebenslauf.

Trotz dieses Fortschritts bleiben Teile der Gen Z gegenüber alternativen Ausbildungswegen wie Lehrlingsprogrammen skeptisch und entscheiden sich oft weiterhin für ein Hochschulstudium. Ein Grund dafür ist die anhaltende Präferenz für traditionelle Abschlüsse, obwohl immer mehr große Unternehmen wie Google, Microsoft, IBM und Apple auf Abschlussanforderungen verzichten, um Zugangshürden abzubauen und mehr Vielfalt zu fördern.

Experten sagen: Warum Praxiserfahrung zählt

Khyati Sundaram, CEO der skills-basierten Rekrutierungsplattform Applied, weist darauf hin, dass ein Eintrag im Lebenslauf nicht automatisch die nötigen Kompetenzen garantiert. David Meads, ehemaliger CEO von Cisco für Großbritannien und Irland, sieht praktische Berufserfahrung oft als wertvoller an als einen Universitätsabschluss, der häufig mit hohen Schulden verbunden ist. Er betont Haltung und Passung: „Für mich sind Einstellung und Eignung wichtiger als welche Buchstaben Sie hinter Ihrem Namen haben oder welche Qualifikationen Sie auf einem Blatt stehen haben.“

Der Wechsel zu fertigkeitsspezifischen Bewertungen spiegelt sich nicht nur in den Einstellungspraktiken wider, sondern auch darin, wie Unternehmen und Bewerbende den Arbeitsmarkt sehen. Traditionelle Bildungswege haben zwar weiterhin ihre Anhänger, doch die Verschiebung hin zu praktischen, kompetenzorientierten Prüfungen könnte langfristig für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wie auch für Beschäftigte Vorteile bringen. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklung weiter entfaltet und welche Folgen sie für kommende Arbeitsgenerationen haben wird.