Ärzte warnen vor einer Müdigkeitswelle: Das sind die Gründe, warum wir derzeit so schlecht schlafen

Epidemie der Müdigkeit: Warum ganz Frankreich betroffen ist
Epidemie der Müdigkeit: Warum ganz Frankreich betroffen ist

In Frankreich hat sich Müdigkeit zu einem weit verbreiteten Phänomen entwickelt, das Ärztinnen und Ärzte inzwischen als echte “Epidemie der Müdigkeit” bezeichnen. Diese Zustände treffen mittlerweile nahezu die Hälfte der Bevölkerung und sind ein Thema, das immer häufiger im Alltag besprochen wird. Aber woran liegt diese kollektive Erschöpfung, und was könnte helfen?

Wie sich die Müdigkeit zeigt

Einschlafschwierigkeiten, Schlaflosigkeit, erschöpftes Aufwachen und anhaltende Tagesmüdigkeit. Im Alltag hört man oft Ausdrücke wie “Je suis crevée”. Diese Beschwerden erzeugen ein Erschöpfungsgefühl, das alle Gesellschaftsschichten erfasst und sich fast wie ansteckend ausbreitet.

Zahlen und wie viel Schlaf empfohlen wird

Gesundheitsexpertinnen und -experten, darunter Santé publique France, berichten, dass ungefähr die Hälfte der Franzosen an Schlafstörungen leidet. Häufig wird betont, dass rund sieben Stunden Schlaf ausreichen und es nicht nötig ist, zehn Stunden im Bett zu verbringen. Solche Empfehlungen unterstreichen, wie wichtig es ist, den eigenen Schlafrhythmus zu respektieren.

Woran das liegt

Die Gründe für diese kollektive Müdigkeit sind vielfältig. Ein großer Faktor ist die moderne Haltung zu Schlaf und Erholung: Schlaf wird oft als “verlorene” Zeit gesehen, Nächte werden geopfert, um den Tag zu verlängern, was zur sogenannten “Schlafschuld” (aufgelaufener Schlafmangel) führt. Dazu kommt die verstärkte Bildschirmnutzung, die Schlafrhythmen stört.

Dazu kommen permanente Hyperstimulation durch konstante Informationsströme und der Leistungsdruck im Berufs- und Privatleben. Die gesellschaftliche Organisation setzt auf Effizienz und lässt wenig Raum für echte Muße. Selbst Freizeitaktivitäten wie Sport oder soziale Netzwerke können zusätzlichen Stress erzeugen. Zusammen mit mentaler Überlastung und Alltagsstress führt das oft zu anhaltender Müdigkeit.

Wie die Jahreszeit mitspielt

Neben sozialen und technologischen Faktoren wirken auch saisonale Einflüsse mit. Im Winter ist der Mangel an Licht stärker spürbar, was die innere Uhr und die Melatoninproduktion stört. Kälte und frühe Dunkelheit fördern ein Gefühl des Winterschlafs und zehren an den Energiereserven.

Tipps für besseren Schlaf

Gegen die Symptome helfen konkrete Maßnahmen: Eine feste Schlafroutine — jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und wieder aufstehen — stabilisiert die innere Uhr. Abends weniger Bildschirmzeit und das bewusste Einhalten von Ruhephasen sind ebenfalls wichtig. Außerdem wird empfohlen, sich morgens natürlichem Licht auszusetzen und den Körper durch körperliche Aktivität zu stimulieren, damit Wach- und Ruhephasen klarer getrennt werden.

Warum Schlaf so wichtig ist

Expertinnen und Experten betonen, dass Schlaf keine Luxuszeit ist, sondern eine vitale biologische Funktion. Im Schlaf kann das Gehirn sich von Toxinen “reinigen”, ein Prozess, der für unsere Gesundheit entscheidend ist. Schlafmangel oder schlechter Schlaf verstärken die Erschöpfung, die durch moderne Lebensgewohnheiten und saisonale Einflüsse noch verschärft wird.

Die Herausforderung besteht darin, den Alltag so zu gestalten, dass Schlaf wieder als wichtiger Bestandteil unserer Gesundheit anerkannt wird und Verhalten sowie Lebensstil entsprechend angepasst werden. Die Dringlichkeit dieser Veränderungen wird durch die aktuelle “Epidemie der Müdigkeit” in Frankreich besonders deutlich.