Arbeiter stoßen auf 1.400 Jahre alte königliche Überreste auf dem Gelände eines Kernkraftwerks

Spannender Fund bei der Sizewell C‑Atomkraftanlage: Ein „fürstliches“ Grab aus dem 7. Jahrhundert in Suffolk
Spannender Fund bei der Sizewell C‑Atomkraftanlage: Ein „fürstliches“ Grab aus dem 7. Jahrhundert in Suffolk

Bei den Vorbereitungen für eine neue Zufahrtsstraße nahe der Sizewell C‑Atomkraftanlage in Suffolk ist eine archäologische Sensation zutage gekommen. Archäologen stießen auf ein beeindruckendes angelsächsisches Grabfeld aus dem 7. Jahrhundert, das ungeahnte Einblicke in Bestattungsrituale und Lebensweisen dieser Zeit liefert. Die Entdeckung hat nationale Bedeutung und wirft neue Fragen zur Geschichte und Gesellschaft des frühmittelalterlichen Englands auf.

Was die Funde erzählen: Inhalt und Bedeutung

Bei den Ausgrabungen wurden elf Grabhügel freigelegt, ein klarer Hinweis auf die angelsächsische Präsenz in der Gegend. Besonders herausragend ist das Grab von zwei offenbar „fürstlich“ Bestatteten, die mit Waffen und persönlichen Gegenständen beigesetzt wurden. Die Funde stammen aus dem 6. und 7. Jahrhundert und fallen nicht nur wegen ihres Alters auf, sondern auch wegen der außergewöhnlichen Erhaltungsbedingungen.

Auffällig ist vor allem das komplett eingespannten Pferd, das zu den größten bekannten Grabbeigaben gehört. Zwar sind organische Überreste schlecht erhalten, doch die Sandabbrüche hinterließen erstaunlich deutliche Silhouetten, die die Umrisse der Körper präzise rekonstruierbar machen. Len Middleton, Projektmitarbeiter bei Oxford Cotswold Archaeology, hebt hervor, dass die Funde neue Einsichten in Machtverhältnisse, Glaubensvorstellungen und Identität im frühmittelalterlichen England liefern.

Grabungen, Fläche und Fundstellen

Das Grabungsprojekt erstreckt sich über eine Fläche von rund 1.994.292 km², auf der 70 verschiedene Standorte untersucht wurden. Die Arbeiten standen im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Zufahrtsstraße im Rahmen der geplanten Erweiterung der Atomkraftanlage. Die Lage der Gräber an einem markanten Punkt in der Landschaft spricht für die besondere Bedeutung dieses Ortes.

Neben den Gräbern kamen noch weitere Funde aus unterschiedlichen Epochen ans Licht: ein gut erhaltener Töpferofen, eine seltene eichenene Leiter aus der Eisenzeit und eine Urne aus der Bronzezeit. Außerdem wurde ein Münzhort mit über 300 Silbermünzen aus dem 11. Jahrhundert entdeckt, was auf gesellschaftliche oder politische Unruhen in jener Zeit hindeuten könnte. Rosanna Price, Engagement Managerin bei Cotswold Archaeology, betont, dass die Funde die enorme Bandbreite von 36.000 Jahren menschlicher Besiedlung in der Region zeigen (von frühen Neandertaler‑Wanderungen bis zu Aktivitäten im Zweiten Weltkrieg).

Wer hinter dem Fund steckt

An den Ausgrabungen waren mehrere Institutionen und Personen beteiligt. Neben Len Middleton und Rosanna Price gehörten Nigel Cann, Chief Executive Officer von Sizewell C, und Debbie Richard, stellvertretendes Kabinettsmitglied des Suffolk County Council, zu den zentralen Figuren. Nigel Cann lobte den Fund als wichtigen Beitrag zur Erforschung des reichen Erbes von Suffolk.

Debbie Richard sagte: „Suffolk offenbart weiterhin seine atemberaubende Vergangenheit, und das Ausmaß dieser Entdeckungen sollte nicht unterschätzt werden.“

Die Entdeckungen bei Sizewell C ziehen Fachleute und Geschichtsinteressierte gleichermaßen in ihren Bann. Trotz technischer Fortschritte und industrieller Entwicklungen birgt der Boden unserer Gegenwart weiterhin Geheimnisse früherer Zeiten, die darauf warten, gehoben zu werden. Diese Funde laden dazu ein, den Blick auf die Vergangenheit neu auszurichten und die Verbindungen zu unseren Vorfahren zu würdigen.